Was ist ein psychisches Trauma

Wie entsteht es?

Ein psychisches Trauma entsteht, wenn eine Person mit einem Ereignis konfrontiert wird, das so intensiv ist, dass es ihre Fähigkeit zur Bewältigung übersteigt. Traumata betreffen nicht nur die Psyche, sondern auch den Körper und das Nervensystem. Sie hinterlassen tiefe emotionale Spuren, die oft langfristige Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen haben. Ein Trauma wird durch das Erleben von intensiver Angst, Schrecken und einem Gefühl der Ohnmacht geprägt.

Definition von psychischem Trauma
Psychisches Trauma wird als ein Erlebnis beschrieben, das die Anpassungsfähigkeit eines Individuums übersteigt und seine physische und/oder psychische Integrität bedroht. Das bedeutet, dass die betroffene Person das Ereignis nicht in ihrer normalen psychischen Struktur verarbeiten kann. Traumata können durch einmalige, unerwartete Ereignisse entstehen, aber auch durch wiederholte oder langanhaltende belastende Situationen.

Es gibt verschiedene Formen von Traumata:

  • Einzeltrauma:
    Ein plötzliches, einmaliges Ereignis wie ein Autounfall, ein Überfall oder eine Naturkatastrophe.
    Wiederholtes Trauma: Mehrfach auftretende traumatische Ereignisse, wie z. B. wiederholter sexueller Missbrauch oder häusliche Gewalt.

  • Komplexes Trauma:
    Dieses Trauma entsteht durch langfristige und oft zwischenmenschliche Gewalt, die bereits in der Kindheit beginnt, wie Misshandlung oder Vernachlässigung.

  • Entwicklungsbedingtes Trauma:
    Traumatische Erfahrungen in der frühen Kindheit, die die neurobiologische und emotionale Entwicklung stören. Solche Traumata beeinträchtigen die Fähigkeit zur sicheren Bindung und können emotionale Regulation und das Gefühl von Sicherheit langfristig beeinflussen.

Die Art des Traumas beeinflusst maßgeblich, wie die betroffene Person das Ereignis verarbeitet und wie tief die Folgen für ihre psychische Gesundheit sind.

Wie entsteht ein Trauma?
Trauma entsteht nicht nur durch das Ereignis selbst, sondern auch durch die individuelle Wahrnehmung und Verarbeitung des Erlebnisses. Zwei Menschen können dasselbe Ereignis erleben, aber unterschiedlich darauf reagieren. Mehrere Faktoren beeinflussen, ob eine Person ein Trauma entwickelt:

  • Das subjektive Erleben des Ereignisses:
    Ob ein Ereignis als traumatisch empfunden wird, hängt von der persönlichen Wahrnehmung ab. Wenn eine Person das Gefühl hat, keine Kontrolle zu haben oder dem Ereignis hilflos ausgesetzt zu sein, wird es eher als traumatisch wahrgenommen. Auch die Intensität der empfundenen Angst und das Gefühl von Ohnmacht spielen eine große Rolle.

  • Risikofaktoren:
    Traumata werden durch verschiedene individuelle und umweltbedingte Risikofaktoren beeinflusst. Personen, die bereits in ihrer Kindheit traumatische Erlebnisse hatten, wie z. B. körperliche oder sexuelle Gewalt, sind anfälliger für die Entwicklung einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). Auch Menschen, die vorbestehende psychische Erkrankungen haben oder in instabilen familiären Verhältnissen leben, sind stärker gefährdet.

  • Das Ereignis selbst:
    Die objektive Schwere des Erlebnisses, wie z. B. die Lebensgefahr, die Dauer und die körperlichen Verletzungen, beeinflussen, wie traumatisch das Ereignis empfunden wird. Ebenso spielen die emotionale Nähe zu den Opfern und das unfreiwillige Verursachen des Traumas eine Rolle.

  • Soziale Unterstützung:
    Menschen, die nach einem traumatischen Erlebnis Unterstützung durch Familie, Freunde oder Fachkräfte erhalten, erholen sich oft schneller. Das Gefühl, verstanden und gehört zu werden, hilft, das Trauma zu verarbeiten und langfristige psychische Folgen zu minimieren.

Auswirkungen eines Traumas auf die Psyche
Trauma beeinflusst sowohl das Denken als auch das Verhalten der Betroffenen. Eine normale psychische Reaktion auf Trauma ist die akute Belastungsreaktion, bei der die betroffene Person intensive emotionale und körperliche Symptome wie Panik, Angst, Schlaflosigkeit und wiederkehrende Gedanken an das Ereignis zeigt. Diese Reaktionen sind kurz nach dem traumatischen Ereignis normal, können aber in eine chronische Störung übergehen, wenn sie nicht richtig verarbeitet werden.

Eine häufige Folge von Trauma ist die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS). Menschen mit PTBS leiden unter Flashbacks, bei denen sie das Trauma mental und emotional immer wieder durchleben, als ob es in der Gegenwart stattfindet. Auch das Vermeiden von Situationen, die an das Trauma erinnern, sowie übermäßige Wachsamkeit (Hypervigilanz) sind typische Symptome.

Langfristige Auswirkungen eines Traumas
Die langfristigen Auswirkungen eines Traumas gehen oft über die psychische Gesundheit hinaus. Neben den psychischen Folgen wie PTBS, Angststörungen und Depressionen haben Traumata auch körperliche Konsequenzen. Chronische Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Verdauungsprobleme oder Muskel-Skelett-Beschwerden treten bei traumatisierten Menschen häufiger auf.

Menschen, die in ihrer Kindheit traumatischen Erlebnissen ausgesetzt waren, leiden oft unter den Folgen für ihre gesamte Entwicklung. Sie haben häufig Schwierigkeiten, gesunde Bindungen aufzubauen, entwickeln Misstrauen gegenüber anderen und sind anfälliger für emotionale Instabilität. Traumatische Kindheitserlebnisse können tiefgreifende Spuren hinterlassen, die sich über das gesamte Leben erstrecken.

Wie können Traumata bearbeitet werden?
Die Behandlung von Traumata erfordert einen integrativen Ansatz. Therapeutische Methoden wie die Trauma-fokussierte kognitive Verhaltenstherapie (CBT), Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR) und körperbasierte Ansätze wie Achtsamkeit oder Bewegungstherapie haben sich als besonders wirksam erwiesen. Diese Therapien helfen, traumatische Erinnerungen neu zu verarbeiten und emotionale sowie körperliche Spannungen abzubauen.

Ein zentraler Aspekt ist es, die traumatischen Erfahrungen in einen kohärenten Lebenskontext zu integrieren. Durch therapeutische Begleitung können Betroffene lernen, ihre Erlebnisse zu verarbeiten und ihre Symptome zu kontrollieren, ohne von ihnen überwältigt zu werden.

Dieser Artikel dient lediglich zur Information und ist kein Ersatz für eine Therapie oder einen Arztbesuch.